Samstag, 5. Juli 2014

Eine - fast - normale Woche. Von St. Marienthal über Oschatz nach Berlin und Halle

Ein Blogbeitrag über den Ablauf einer Arbeitswoche stösst vermutlich auf eher geringes Interesse. Wenn dann aber von spannenden Tagungen und Diskussionen zu berichten ist, mag dies anders sein; ich bin unsicher.

Gleichwohl bringe ich einmal einige Impressionen der letzten fünf Tage zu Papier (was ich nicht mehr nutze), weil es mir einfach wichtig erscheint, mehr Menschen an diesen Abläufe teilhaben zu lassen. Es ist einfach spannend (und macht Freude). So "en passant" lassen sich dabei auch Informationen und Stimmungen aus der Szene der Agrar- und Umweltforschung vermitteln - schauen wir einmal.


20. Internationale Sommerakademie der Deutschen Bundesstiftung Umwelt in St. Marienthal

Die Woche begann mit einer wirklich großartigen Tagung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) in St. Marienthal (nahe Görlitz). Das Tagungsprogramm setzte in diesem Jahr den Schwerpunkt auf die "Nachhaltige Landwirtschaft - vom Leitbild zum konkreten Handeln". Die DBU hat in den letzten Jahren sehr viele Projekte in diesem Bereich gefördert und so die Entwicklung der Nachhaltigen Landwirtschaft auch maßgeblich befördert. Nun war es Zeit einmal eine Bilanz zu ziehen. Das Erreichte zu beschreiben, aber auch die Defizite in Forschung und Umsetzung zu dokumentieren.

St. Marienthal

Neben einigen Herausforderungen besonders in den Bewertung von Tierhaltungsverfahren hinsichtlich der Nachhaltigkeit, stand dabei immer wieder die Frage der Umsetzung und Anwendung im Vordergrund. Wie kommt so ein System in die Fläche? Die Beiträge werden später in einem Tagungsband veröffentlicht.

Mein bescheidener Beitrag zu dieser Fragestellung hier als Videos:

Nachhaltige Landwirtschaft konkret Teil 1
Nachhaltige Landwirtschaft konkret Teil 2

Nochmals: Dies ist nur ein Beitrag; später mehr, wenn die schriftlichen Versionen vorliegen


Vorstandssitzung der DLG in Oschatz

Bei der Tätigkeit im Vorstand der DLG ist Vertraulichkeit das zentrale Prinzip. Inhaltliche Aussagen kann  - und will - ich daher hier nicht machen. Eines sei aber doch kurz dokumentiert. Wie auf der Tagung der DBU stand die selbstkritische Auseinandersetzung mit den Entwicklungen im Grenzbereich zwischen Agrarwirtschaft und gesellschaftlichen Ansprüchen im Vordergrund. Ohne Zweifel aus einer anderen Perspektive als in den Tagen davor, aber durchaus mit ähnlichen Ergebnissen. Die Zukunft wird hier auch aus Sicht der DLG extrem spannend.

Feldbegehung bei Oschatz


Sitzung des wissenschaftlichen Beirates für Agrarpolitik im BMEL (WBA) in Berlin

Von Oschatz weiter nach Norden in die Bundeshauptstadt und zwei Tage im wissenschaftlichen Beirat. Neben dem ersten Gespräch mit dem neuen Bundesminister stand hier die weitere Beschäftigung mit dem Gutachten zur "Zukunft der Nutztierhaltung in Deutschland" im Vordergrund. Das wird sehr umfangreich und auch hier stehen neben fachlichen Fragen der Tierzucht und -haltung, die gesellschaftliche Einordnung im Vordergrund. Veröffentlichungstermin ist hoffentlich dann zu Beginn von 2015.

Am Alex auf dem Weg zur Sitzung des WBA

Im Gremium wird hier teilweise um einzelne Sätze gerungen; nicht als Selbstzweck, sondern um die Positionen des WBA - die im Konsens liegt - möglichst treffgenau zu formulieren. Bei der Nutztierhaltung sind hier viele Fragen zu beantworten. Nicht in allen Fällen wird hier die Politik eine Antwort geben können (und müssen). Aufgabe des Gutachtens ist es daher zu identifizieren, in welchen Bereichen politisches Handeln nötig und möglich ist - und wo nicht. Verantwortung liegt eben auch bei Konsumentinnen und Konsumenten und selbstverständlich der Branche selbst. Hier eine ausbalancierte Empfehlung zu geben, wird die Herausforderung. Einfache Lösungen kann es nicht geben. Auch hier später mehr Details.


Die Woche endete dann mit einer abenteuerlichen Fahrt von Berlin nach Halle (gegen den Strom der Fussballbegeisterten besonders in Berlin) zur langen Nacht der Wissenschaften in Halle und einem kleinen Vortrag zur Stickstoffdüngung, wo wieder die Problematik der organischen Düngung und damit indirekt auch der Tierhaltung im Vordergrund stand. 

Lange Nacht der Wissenschaften in Halle mit Fussballübertragung
Experten unter sich


Vier Tagungen und Veranstaltungen - ein Thema aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln. Das macht selbstkritisch und zeigt auch immer wieder die Grenzen des eigenen Wissens und der Einflussmöglichkeiten. 

Hoffen wir, dass es weiter Fortschritte gibt.